Trainer-Interview

TrainingserfahrungTrainer Alexander Zell im Interview

Seit wann trainieren Sie in den verschiedenen Themenfeldern?

Angefangen habe ich als Methodik- und Didaktiklehrer an der Artillerieschule der Bundeswehr mit Führungsthemen im Jahr 1996, die Kommunikations- und Coachingthemen kamen dann als Geschäftsführer der Hessischen Akademie ab dem Jahr 2004 hinzu.

Sind Sie auf bestimmte Branchen, Firmen, Zielgruppen spezialisiert?

Meine Trainings- und Coachingangebote richten sich branchenunabhängig an Führungskräfte unterschiedlicher Hierarchiestufen sowie an Kommunikationsexperten.

 

Trainingsgrundsätze

Wie lauten Ihre wichtigsten Prinzipien, Werte und Grundsätze bei der Durchführung von Trainings?

Wissenschaftliche Studien belegen, dass der größte Lerneffekt durch eigene Erfahrungen entsteht. Deshalb aktiviere und motiviere ich die Teilnehmer, Neues selbst auszuprobieren und aktiv mitzuarbeiten. Um Konzentrationsschwierigkeiten zu beheben, wechsele ich regelmäßig die Methode, sorge durch angemessene Übungen für körperliche und geistige Bewegung und baue kurze Lockerungs- und Konzentrationsübungen in das Training ein.

Ich lege Wert darauf, dass die Teilnehmer positive Lernerfahrungen machen können – so viele wie möglich und stelle die Leistungen lobend heraus. Inhaltswünsche, die zum Themenkreis gehören, haben bei mir stets Vorrang. Die Kunst dabei ist, trotzdem die vorgesehenen Themen zu behandeln und dem Unterricht eine klare Struktur zu geben. Dazu gehört es für mich, die Ziele des Unterrichts deutlich zu machen und meine Vorgehensweise zu begründen.

Als Trainer ist es für mich essentiell, dass die Teilnehmer selbständig den Stoff erarbeiten und plane deshalb Übungen ein, gliedere den Lernstoff in überschaubare Einheiten und bilde Lernpaare/-gruppen, die sich gegenseitig unterstützen.

Wie gehen Sie mit schwierigen Teilnehmern, Teilnehmerwiderständen und anderen Störfaktoren um?

Ausgangspunkt für jedwede Lösung ist die Frage nach der Ursache. Gibt es Missverständnisse durch Mangel an Selbstvertrauen, Unsicherheit durch Mangel an Selbstvertrauen, Unbehagen durch Mangel an Anerkennung, ein Gefühl des Ausgeschlossenseins durch Mangel an sozialer Integration oder ein Unvermögen durch mangelndes Wissen und Können? Jedes Verhalten hat Gründe – und meine Aufgabe ist es, diese herauszufinden. Dabei ist mir eine entspannte Lernatmosphäre ohne Erfolgsdruck und Furcht vor Misserfolgen wichtig. Außerdem lege ich Wert auf ausreichend Zeit für den Erfahrungsaustausch, um insbesondere kritischen Teilnehmern die Möglichkeit zu eröffnen, ihre Erfahrungen einzubringen.

 

Rollen-/Selbstverständnis

Wie definieren Sie Ihre Trainerrolle?

Als Trainer verstehe ich mich als „Lernerleichterer“ und muss mich in erster Linie auf die Teilnehmer einstellen und ihnen zuhören. Dazu gehört es, die Erwartungshaltung festzustellen und darauf einzugehen. Mit fachlichem Wissen und natürlicher Autorität gebe ich bei Bedarf Hilfestellung und vermittele zwischen den Teilnehmern. Ohne überheblich oder dominant zu sein, verbinde ich dabei Theorie und Praxis miteinander. Teilnehmer beschreiben mich als freundlich, humorvoll und optimistisch, verständlich und praxisnah. Ich bin mir meiner Doppelrolle als Trainer und zugleich Gruppenmitglied bewusst und mache dies auch gegenüber der Gruppe transparent.

Welches Menschenbild liegt Ihren Trainings zugrunde?

Mein Menschenbild baut auf der These auf, dass alle Menschen die Fähigkeit zu kreativem Wachstum und konstruktiver Veränderung haben. Der Mensch ist in seinem Wesen autonom und interdependent; d.h. er ist eine einzigartige Person, selbständig und selbstbestimmend und gleichzeitig in ständiger Verbundenheit mit Personen und Dingen. Der Drang nach Selbstverwirklichung und Selbstentwicklung steht als grundlegende Antriebskraft für menschliche Entwicklung. Als Trainer akzeptiere ich jeden Teilnehmer als eigenständige Persönlichkeit und bin fest davon überzeugt, dass er alle Ressourcen zur Realisierung seiner Selbstverwirklichung in sich „trägt“.

 

Teilnehmerorientierung

Wie gehen Sie mit kritischen Fragen oder störenden Teilnehmern um?

Teilnehmerfragen und –beiträge sind ein grundlegender Bestandteil des Trainings, denn sie bereichern die Veranstaltungen, bieten Möglichkeiten für Rückfragen, stoßen Diskussionen an und dienen zum Ausräumen von Missverständnissen. Es gilt gleichzeitig, sich auch der eigenen Rolle bewusster zu machen: Leiter oder Moderator. Gerade in letzterer gilt es, eigene Wertungen und Meinungen zurückzustellen und inhaltlich unparteiisch zu bleiben.

Schwierige Situationen mit Teilnehmern werden sich auf Dauer nicht vollständig vermeiden lassen. Ich lege Wert darauf, gegensätzliche Meinungen anzuerkennen. Des Weiteren binde ich die anderen Teilnehmer aktiv in die Diskussion ein und frage gezielt nach deren Position. Auf jeden Fall sind Personen zu beschützen, die angegriffen werden. Hilfreich sind auch klare, akzeptierte Verhaltensregeln, die zu Seminarbeginn von allen entwickelt und verabschiedet werden.

Wie integrieren Sie die Erfahrungen und das Vorwissen der Teilnehmer in das Thema?

Im Seminargeschehen nehme ich mich bewusst als „Lehrer“ zurück und verlagere die Verantwortung auf die Teilnehmer. Sie werden befähigt, ihre Talente und positive Herausforderungen zu erkennen und auch zu praktizieren. Das Freisetzen von positiver Energie prägt die Lernsituation und die Atmosphäre im Seminar. So entsteht ein Gedankenaustausch, der sich bei einem reinen Lehrvortrag nicht entwickeln würde. Inhalte werden aus der Teilnehmerperspektive beleuchtet, wodurch jeder einen ganz anderen, seiner eigenen Art entsprechenden Zugang erhält.

 

Medien/Seminarunterlagen

Wie wollen Sie den Lernprozess medial unterstützen?

Um die Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit der Teilnehmer über den gesamten Trainingsverlauf hoch zu halten, ist mir neben der Teilnehmeraktivierung ein kontinuierlicher Medienwechsel wichtig. Deshalb visualisiere ich Fragen/Antworten, Abläufe, Prozesse etc. gerne am Flipchart oder der Pinnwand. Natürlich greife ich auch auf das elektronische Medium Beamer zurück, der zusätzlich hilft, Inhalte zu visualisieren. Er dient mir auch als Ressource für Videos, die ich in allen Seminaren flankierend einsetze.

Welche Unterlagen erhalten die Teilnehmer?

Neben den klassischen Powerpoint-Folien erhalten die Teilnehmer Arbeitsblätter, Checklisten, Übungsblätter, Literaturlisten sowie thematische Handouts. Im Anschluss an das Training gibt es ein umfangreiches Fotoprotokoll mit allen Arbeitsergebnissen von Flipcharts bis Pinnwänden. Individuelle Erinnerungshilfen erstellen die Teilnehmer selbst in ihrem sogenannten Lerntagebuch.

 

Lernerfolgskontrolle

Wie werden Sie die Zielerreichungen kontrollieren?

Im laufenden Seminarfortschritt überprüfe ich mittels konkreter Fragen oder interaktiver Übungsaufgaben den Behaltensgrad der abgeschlossenen Lerneinheit. Verschiedene Übungsformen ermöglichen das gezielte Kontrollieren und Festigen des Lernerfolgs. Gerne greife ich dabei auf die Methode „Lernen durch Lehren“ zurück. Die Möglichkeit, Lernstoff weitergeben zu können, setzt voraus, dass der Lernstoff verstanden und pädagogisch aufbereitet worden ist. Werden Lernphasen so mit positiven Erfahrungen assoziiert, erzeuge ich bei den Teilnehmern eine intrinsisch motivierte Freude am Lernen. Stelle ich bei der Lernerfolgskontrolle kleinere Defizite (Thema wird noch nicht bewusst und korrekt abgerufen und auf andere Situationen transferiert) wird der Lehrstoff mit anderen Lernmethoden wiederholt.

Gibt es Maßnahmen zur Transfersicherung?

Gerade bei verhaltensorientierten Trainings stellt sich häufig das Problem, dass die gelernten Verhaltensweisen (noch) nicht in die betriebliche Praxis übernommen werden. Meiner Erfahrung hat gezeigt, dass in Absprache mit den PE-Verantwortlichen neben dem eigentlichen Training auch flankierende, verhaltensunterstützende Maßnahmen zur langfristigen Sicherung des im Training erworbenen Wissens eingesetzt werden sollten. Dazu gehören z.B. „on-the-job-Maßnahmen“, in denen der Lernende das Erlernte in einen anderen Kontext (nämlich der betrieblichen Praxis) überführen kann und durch den Trainer dabei begleitet wird. Das Ziel ist es, dass die Person die erworbene Kompetenz in Situationen mit ähnlichem Komplexitätsniveau nutzt (horizontaler Transfer) oder ihr Wissen auf Situationen anwendet, die ein höheres Komplexitätsniveau anwendet (vertikaler Transfer).