Rückschläge überwinden

Rückschläge überwinden
Zähne zusammenbeißen, negative Gedanken durch positive ersetzen und sich einfach noch mehr anstrengen – so lautet das Rezept vieler Führungskräfte nach einer Niederlage. All das ist falsch. Wie gehen wir wirklich gut mit Rückschlägen um?
Viele Führungskräfte und Manager kämpfen sich durch berufliche wie private Krisen, machen einfach weiter. Unterdrücken Zweifel, Versagensängste und ignorieren körperliche Stress-Symptome. „Jetzt erst recht“, lautet ihre Devise. Doch diese Strategie ist gefährlich. Selbst wer es trotz des emotionalen Chaos schafft, weiter zu funktionieren, den trifft häufig bei der nächsten schwierigen Situation ein Flashback, ein Rückschritt ins Tal der Tränen.
Ich gebe meinen Klienten daher einen anderen Rat, der auch aktuellen Trainings- und Coachingkonzepten zu Resilienz, Burnout-Prophylaxe und Selbstmitgefühl zugrunde liegt. Dieser lautet: das Scheitern zunächst als solches anzunehmen und zu akzeptieren. Nur dann kann man Rückschläge – und alle mit ihnen verbundenen quälenden Gedanken und unguten Gefühle – schließlich überwinden und hieraus lernen. Ein paar Übungen und Schritte unterstützen den Prozess:
1. Erkennen Sie Selbstverurteilungen
Um zu erkennen, mit welchen Denkgewohnheiten Sie sich in Krisenzeiten das Leben zusätzlich erschweren, gilt es, die täglichen Selbstgespräche, die wir ununterbrochen führen, genau zu beobachten: Fragen Sie sich: Wie spreche ich mit mir in Krisen? Bin ich kritisch und werte mich selbst ab? Oder spreche ich wohlwollend, liebevoll und tröstend mit mir selbst? Kann ich auch die negativen Gedanken und Gefühle annehmen, ohne mich dafür zu kritisieren? Wenn Sie beim Hören auf die innere Stimme feststellen, dass Sie hart und verletzend über sich urteilen, sollten Sie gegensteuern.
2. Nehmen Sie negative Gefühle an
Um zu lernen, wie sich negative Gefühle aushalten lassen, ohne sich abzulenken oder in blinden Aktionismus zu verfallen, hilft diese Übung:
  • Rufen Sie sich ein größeres Problem vor Augen, verweilen Sie dabei ein bis zwei Minuten und spüren Sie nach, welche Gefühle das in Ihnen auslöst. Benennen Sie diese Gefühle nicht, sondern spüren Sie genau nach, was Sie fühlen: eine beschleunigte Atmung oder eine Enge im Brustkorb? Tränen, die in die Augen steigen, oder den berühmten Kloß im Hals?
  • Erlauben Sie diesen Gefühlen, dazu zu sein, und geben sie ihnen sogar mehr Raum: Lassen Sie die Gefühle sich in Ihrem Körper ausbreiten. Wer lernt, negative Gefühle auf diese Weise auszuhalten, vermindert ihren Einfluss auf die eigene Befindlichkeit und das eigene Verhalten.
3. Finden Sie Abstand zu schlechten Gedanken
Unser Gehirn ist darauf getrimmt, uns vor Gefahren zu warnen. Ist es uns jedoch nicht möglich, eine Bedrohung schnell aus der Welt zu schaffen, helfen uns die ständigen und oft harschen Ermahnungen des Verstandes nicht weiter. Im Gegenteil: Sie ängstigen, verleiten zum Grübeln und machen blind für die Möglichkeiten, die das Leben nach einem Schicksalsschlag bietet. Da man einen Gedanken aber nicht nicht denken kann, gilt es, mehr Abstand zwischen sich und die quälenden Gedanken zu bringen. Dazu eine Übung:
  • Erkennen und benennen Sie den Gedanken.
  • Danken Sie Ihrem Verstand für diesen Gedanken – und zwar ganz aufrichtig und in Wertschätzung für seine Fähigkeit, uns vor möglichen Gefahren zu warnen.
  • Widmen Sie sich dann wieder einer Tätigkeit, die Sie Ihren Wünschen und Zielen näherbringt.
4. Meditieren Sie
Ungute Gedanken und Gefühle annehmen und gleichzeitig Abstand finden – das gelingt auch per Meditation.
1. Üben Sie sich in Achtsamkeitsmeditation: Machen Sie die Bürotür zu, oder setzen Sie sich zu Hause an einen ruhigen Ort und beobachten Sie in der Stille die eigenen Gefühle und Gedanken – wertneutral und ohne darauf zu reagieren. Auf diese Weise schaffen Sie im Alltag mit der Zeit eine Art Puffer zwischen sich und Ihre Gedanken, denn: Der Reiz­Reaktions­Mechanismus, mit dem wir für gewöhnlich gegen unerwünschte Gefühle ankämpfen, wird unterbrochen.
2. Verüben Sie Mitgefühlsmeditation (MettaMeditation): Kehren Sie innerlich ein, achten Sie auf Ihre Gefühle und Gedanken und wünschen Sie sich und den anderen Menschen, in Sicherheit sowie in Frieden mit sich selbst und ihrem Leben zu sein. Auf diese Weise fördern Sie nicht nur Ihr Mitgefühl für andere, sondern auch Mitgefühl für sich selbst – gleichviel, wie und warum Ihnen etwas Negatives widerfahren ist und weshalb etwas schieflief. Die Wertschätzung sich selbst gegenüber stärkt die eigenen Ressourcen und macht wieder handlungsfähig.

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